Die lange Nacht der Demokratie 2026

Die lange Nacht der Demokratie 2026

Seit 2024 begeht Baden-Württemberg die Lange Nacht der Demokratie. Immer am 2. Oktober, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, laden in vielen Städten und Gemeinden die unterschiedlichsten Initiativen zu Begegnung und Austausch ein. Verschiedenste Projekte und Unternehmungen sollen Möglichkeiten bieten, Demokratie sichtbar und erlebbar zu machen – in der begründeten Hoffnung, dass noch mehr Menschen erkennen, welchen unschätzbaren Wert es da zu erhalten und zu pflegen gilt.

In Konstanz werden wir in diesem Jahr eine besonders lange Nacht der Demokratie feiern: Um das komplette Programm unterzubringen (und das auch noch, ohne mit dem Gassenfreitag zu kollidieren), beginnen wir schon am Nachmittag des 2. Oktober: Ab 15 Uhr laden wir an verschiedenen historischen Orten in der Altstadt zu Kurzvorträgen ein. Wie in einer Demokratie, habt ihr auch hier die Wahl: Ihr könnt den kompletten Rundgang mitmachen oder aber euch herauspicken, was euch besonders interessiert.

Zur Orientierungshilfe, hier ein kurzer Überblick über Stationen, Themen und Referierende:

  1. Unser Verbündeter Marcus Göbeler startet um 15 Uhr am Hecker-Relief am Sankt-Stephans-Platz. Als Geschichtslehrer ist er bestens qualifiziert, um vor diesem historischen Hintergrundbild einen kurzen Abriss über über die Geschichte unserer Demokratie zu geben.
  2. Die Rechte von Arbeitnehmer*innen spielen eine zentrale Rolle in jeder Demokratie. Um so bedenklicher, wie sorglos sie derzeit wieder zur Diskussion gestellt und beschnitten werden. Pit Wuhrer von ver.di informiert um 15:20 Uhr am Obermarkt über Gewerkschaften, Versammlungsfreiheit und die demokratischen Möglichkeiten, die Streiks und Demonstrationen bieten.
  3. Um dem Irrglauben entgegenzuwirken, bei demokratischen Prozessen handle es sich um irgendwelche nebulös-abstrakten Vorgänge, die mit dem tagtäglichen Leben nur entfernt oder gar nicht zu tun haben, lauschen wir um 15:35 Uhr im Ratsaal Martin Schröpel vom Amt für Stadtgesellschaft und Kommunikation. Er zeigt auf, wie lebendige Demokratie und zivilgesellschaftliche Beteiligung auf lokaler Ebene funktionieren.
  4. Nur ein paar Schritte weiter, im Innenhof des Rathauses, wartet um 15:50 Uhr Julia Funk von der Chancengleichheitsstelle der Stadt Konstanz. Sie rekapituliert, wie sich Frauen einst ihr Wahlrecht erkämpften, und erläutert die Wichtigkeit von weiblicher Beteiligung in der Politik – unverzichtbar, gerade in Zeiten, in denen Patriarchat und Manosphere hochtoxische Blüten treiben.
  5. Einem tieftraurigen Teil der Konstanzer Stadtgeschichte widmet sich um 16:15 Uhr Petra Quintini von der Initiative Stolpersteine für Konstanz. Sie erinnert am Gedenkobelisk in der Bahnhofstraße, Ecke Sigismundstraße an die 112 Jüdinnen und Juden, die 1940 aus der Stadt deportiert worden sind, und damit an die Auslöschung jüdischen Lebens in Konstanz in der NS-Zeit.
  6. Die Geschichte hat gezeigt, dass der Hass wirklich jede*n treffen konnte. An der Gedenkstele auf der Marktstätte (vor dem dm) spricht um 16:35 Uhr Roland Didra, ebenfalls von der Stolperstein-Initiative, über Menschen, die in der NS-Zeit als „lebensunwert“ abgestempelt, Zwangssterilisationen unterzogen oder ermordet wurden. Die Zeit, um mit aller Entschlossenheit dafür zu kämpfen, dass sich dieses finsterste Kapitel der deutschen Geschichte nicht wiederholt, ist längst angebrochen.
  7. Einen Beitrag dazu kann und muss als vierte Macht im Staate eine mutige, kritische, freie Presse leisten. Am Fischmarkt 5, dem ehemaligen Verlagsgebäude des Südkuriers, gibt um 16:50 Uhr Ralph-Raymond Braun von ver.di einen Abriss über den Stand der Dinge bei der Pressefreiheit und berichtet, welchen Schaden Fake News und Social Media unserer Demokratie zufügen.
  8. Neben Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit zählt die Freiheit der Kunst zu den Säulen jeder Demokratie. Ensemblemitglieder erinnern um 17:15 Uhr am Theatereingang in Richtung Münsterplatz des Theaters Konstanz an diesen Zusammenhang – mit einer Lesung aus Flugblättern der Widerstandsbewegung Die weiße Rose.
  9. Vor dem Amtsgericht in der Rheingasse 20 erläutert um 17:35 Uhr die Regionalgruppe Bodensee des Deutschen Jurist*innenbundes die Gefahren antidemokratischer Strömungen für Frauenrechte. Ihr seid hier herzlich zu Diskussionen und Erfahrungsaustausch eingeladen.
  10. Den Schlusspunkt setzt Historiker Hans-Peter Metzger um 17:50 Uhr. Er berichtet vor dessen ehemaligem Wohnhaus „Zum Blaufuß“ in der Inselgasse 15 von Georg Elser, seinem Widerstand gegen das NS-Regime und seinem Anschlag auf Adolf Hitler.

Der Rundgang, dessen Stationen ihr, wie gesagt, je nach Zeit und Interesse auch einzeln besuchen könnt, ist damit beendet, das Programm birgt aber noch mehr: Um 15, 16:30 und 18 Uhr laden die OMAS GEGEN RECHTS am Münsterplatz mit einer Theaterszene dazu ein, eigene Lösungen zu Erinnerungskultur und Rechtsextremismus zu finden. Die Profis vom Theater Konstanz bitten um 20 Uhr in ihre Werkstatt (Inselgasse 2 – 6). Dort steht „Verbranntes Land. Eine radikal-zärtliche Widerstands-Lovestory“ auf dem Spielplan. Alle Infos zum Stück sowie weitere Aufführungstermine findet ihr auf der Homepage des Theaters (LINK: https://www.theaterkonstanz.de/programm/stueckeseiten/stueckeseiten+2026_27/verbranntes+land).

Wir freuen uns darauf, diese Lange Nacht der Demokratie (die, genau genommen, ein langer Nachmittag ist) mit euch gemeinsam zu feiern. Kommt vorbei!

P.S.: … pssst! Auch wenn wir ein dickes Programm auf die Beine gestellt haben, wollen wir nicht unterschlagen, dass sich ein Blick auf die Angebote anderer Initiativen im Land (LINK: https://www.langenachtderdemokratie-bw.de/) ebenfalls lohnt. Von Konkurrenz kann ja gar keine Rede sein, wir verfolgen schließlich alle dasselbe Ziel.

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