Am 16. November 2025 beteiligte sich die AfD-Kreistagsfraktion fast geschlossen an den Gedenkfeiern zum „Volkstrauertag“. Bereits bei der Veranstaltung im Vorjahr legten die Vertreter der Partei ungebeten einen Kranz am Gedenkort auf dem Waldfriedhof Singen nieder.
„Mehrere AfD-Politiker und Gliederungen der Partei haben zum Volkstrauertag am vergangenen Sonntag an die nationalsozialistische Tradition des ‚Heldengedenkens‘ angeknüpft. Dies zeigen öffentliche Postings von Abgeordneten, Kreisverbänden und der Jugendorganisation Junge Alternative“, so das Wochenmagazin „Die Zeit“ in seiner Berichterstattung über den Volkstrauertag vom 17. November 2024.
Die Partei verfolgt damit die Strategie, nach und nach die Gedenkkultur zu verändern. Nicht mehr den Opfern von Gewaltherrschaft und Kriegen soll gedacht, sondern die gefallenen Soldaten sollen wieder als Helden verehrt werden. Es soll nicht mehr an die Kriegsverbrechen erinnert werden, sondern die „Tapferkeit und Ehre“ des „deutschen Soldaten“ im Mittelpunkt des Gedenkens stehen. Dies knüpft nahtlos an den NS-Heldenkult an, der „die soldatische Pflichterfüllung und den Tod im Kampf“ idealisiert und die Wirklichkeit von Krieg und von Gewaltherrschaft verleugnet hat.
Vermehrt beteiligt sich die AfD an den Gedenkveranstaltungen von Kommunen und dem „Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge“. Ein Kranz, der von der AfD-Stadtratsfraktion in Leuna (Sachsen-Anhalt) niedergelegt wurde, trug 2024 die provozierende Inschrift „Für Führer, Volk und Vaterland. Warum?“
Es ist kein Zufall, dass sich auch die AfD-Prominenz im Landkreis Konstanz an den Volkstrauertagen 2024 und auch nun am 16. November 2025 auf dem Waldfriedhof in Singen unter die Gäste des Gedenktags „an die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen“ mischte. Jeweils nach der offiziellen Kranzniederlegung der Stadt Singen durch Oberbürgermeister Bernd Häusler (CDU) legten Kommunalpolitiker der AfD (wirklich nur Männer, Anmerkung der Redaktion) ebenso einen Kranz an den Gedenkort der Opfer der beiden Weltkriege.
Am 16. November 2025 beteiligten sich die Mitglieder der AfD dann nicht mehr am Gedenken für die Zwangsarbeiter:innen, die während des NS-Regimes in Singen arbeiten mussten, sondern inszenierten selbst ihre Kranzniederlegung. Diese gedachte, so die Kranzinschrift, lediglich „den Gefallenen der beiden Weltkriege“.
Beim Fotoshooting posierten die Kreisräte und AfD-Kandidaten für die Landtagswahl im März 2026, Steffen Jahnke und Bernhard Eisenhut, mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Michael Stauch und dem Nachrücker im Kreisrat, Alexander Hofer.
Jahnke und der Kreisrat Olaf Bennert tauchten danach auch bei der Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Singener Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auf. Während der Gedenkrede kommentierte Bennert deutlich hörbar für Gäste des Gedenkens: „Unglaublich. Hier dürfen Linksextreme sprechen.“ Die meisten der von auf dem Stein gedachten Opfer sind Sozialdemokrat:innen und Kommunist:innen, die von den Nazis umgebracht wurden.
Die Rede für die Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) hielt der Konstanzer Gemeinderat Wolfgang Moßmann (Linke Liste). Er betonte „Das Feld des Erinnerns gehört nicht denen, die die Geschichte verfälschen und die Opfer als ‚Vogelschiss der Geschichte‘ verhöhnen. ‚Nie wieder‘ war der Schwur der Überlebenden – und er bleibt unser Auftrag … Tun wir alles dafür – im Gespräch, im Widerspruch, im Alltag. Für eine offene, menschliche und demokratische Gesellschaft.“





