Am 27. Februar, also 10 Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, haben vier Vertreterinnen des Bündnisses für Demokratie zwei 12. Klassen des Technischen Gymnasiums an der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz (ZGK) mit dem Planspiel „Deine Stimme“ über die Mechanismen von populistischen Aussagen der Politiker*innen aufgeklärt und vor undemokratischen Parteien gewarnt.
Das Planspiel „Deine Stimme“ wurde von der Landeszentrale für politische Bildung Bayern konzipiert und kann im Internet heruntergeladen werden. Das Spiel zeigt in Filmsequenzen im Vorfeld einer Wahl Vertreter*innen von vier fiktiven Parteien, die mit einer Influencerin ihre Argumente austauschen. Insbesondere wird auf das Thema „Gewalt in der Öffentlichkeit“ eingegangen, denn – so das Szenario – ein paar Tage zuvor hatten drei Jugendliche eine Frau auf offener Straße überfallen, ein weiterer Influencer kam dazu, um den Überfall mit seiner Handykamera aufzuzeichnen, und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Die drei Attentäter*innen konnten fliehen, einer der drei wurde durch seinen „Lifepoints“-Account ausfindig gemacht. Die „Lifepoints“ belohnen „gute Taten“ mit Punkten, für die man arbeitsfreie Tage bekommt. Der Influencer wurde ein paar Tage später mutmaßlich aus dem Krankenhaus entführt und ist seitdem verschwunden.
In der Diskussion stehen neben den Parteiprogrammen der vier Parteien COGITO (demokratische Partei), TROY (populistische Partei), KIP (KI-Partei) und ACTIVE (eher populistisch) auch deren Haltung zu dem aktuellen Fall.
Um das Spiel beginnen zu können, wird am Anfang die Anzahl der Teilnehmenden erfasst; sie können in zehn Abstimmungen, die im Laufe des Films angezeigt werden, die Diskussionsthemen bestimmen und Rückmeldungen zu den Wahlwerbefilmen der verschiedenen Parteien geben. Die Reaktionen der Teilnehmenden haben Einfluss auf den weiteren Spielverlauf. Weiterhin ist es möglich, an einigen Stellen des Films nähere Informationen zu erhalten, wenn die Teilnehmenden dies aktiv einfordern.
Am Schluss steht die Wahl, die traditionell mit Stimmzetteln aus Papier und einer Wahlurne erfolgt; das Wahlergebnis wird wiederum in das Planspiel eingegeben. Während der Auszählung der Wahlzettel werden die Teilnehmenden über einen Deepfake zum Nachteil der demokratischen Kandidatin informiert.
Der Fortgang der Ereignisse wird durch das eingegebene Wahlergebnis bestimmt, je nach Ausgang der Wahl können vier verschiedene Enden eintreten. Bei der Wahl der demokratischen Kandidatin gilt die Demokratie als gerettet, bei der Wahl des populistischen Kandidaten sehen die Teilnehmenden, wie die Menschen in einer Diktatur, zu der es nach der Wahl von TROY kommt, behandelt werden. In den weiteren Enden können die Teilnehmenden noch die Diktatur abwenden, indem sie sich mehrheitlich gegen die „Lifepoints“ aussprechen.
Das Spiel beruft sich darauf, Mechanismen von real existierenden Diktaturen aufzugreifen und diese für Schüler*innen ab 15 Jahren anschaulich und nachvollziehbar zu machen. Es geht auf die Sehgewohnheiten von Jugendlichen ein und gibt die Informationen in real wirkenden Szenarien weiter. Sinn des Spiels ist es, dass die Schüler*innen nach Abschluss des Spiels verantwortungsvoll mit ihrer Wahlentscheidung bei Bundestags- oder Landtagswahlen umgehen.
Dem Einsatz des Spiels ging ein Gespräch mit den Lehrer*innen an der ZGK voraus, in dem beide geeignete Klassen für ein Zeitfenster von drei Schulstunden vorschlugen. Am Freitag, den 27. Febr., haben jeweils zwei Personen des Bündnisses für Demokratie mit je einer Klasse mit 18 bzw. 10 Schüler*innen das Planspiel gespielt und danach das Gesehene mit ihnen reflektiert. Von beiden Klassen wurde mit einer großen Mehrheit die demokratische Kandidatin gewählt und das entsprechende Ende gezeigt. Dennoch wollten die Schüler*innen wissen, wie die Handlung weitergegangen wäre, wenn sie für die populistische Partei gestimmt hätten.
Nach einer kurzen Pause haben wir die Mechanismen für Populismus aufgezeigt, z.B. Opferrolle, Verunglimpfung des politischen Gegners etc., danach konnten die Klassen in Gruppenarbeit herausarbeiten, wo im Planspiel stilistische Mittel des Populismus eingesetzt werden. Die Antworten der Schüler*innen waren in beiden Klassen sehr durchdacht und wir schlossen daraus, dass das Thema bereits im Politikunterricht durchgenommen wurde und wir daher auf bereits vorhandenes Wissen aufbauen konnten.
Der Einsatz des Planspiels an der Schule hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir zurzeit weitere Einsätze an der ZGK und auch an anderen Berufsschulen in Radolfzell, Stockach und Singen planen, denn wir haben vor, möglichst viele Jugendliche vor den kommenden Wahlen zu erreichen.






