Am 22. Oktober 1940 wurden über 6.500 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden und der Saarpfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Zahlreiche Deportierte kamen dort und in anderen südfranzösischen Lagern ums Leben, Tausende wurden ab 1942 in die Vernichtungslager im Osten deportiert und ermordet. Auch aus Konstanz wurden an diesem Tag 112 Jüdinnen und Juden vom damaligen Güterbahnhof in Petershausen deportiert.
19. Oktober 2026: Ausstellung
„… von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ – Fotografische Dokumentation der Deportation badischer Jüdinnen und Juden nach Gurs
Der Förderverein Mahnmal e. V. widmet sich den bislang bekannten Fotos der Deportation badischer Jüdinnen und Juden am 22. und 23. Oktober 1940.
In sieben der 138 badischen Deportationsorte wurde das Geschehen fotografiert, so auch in Kippenheim. Dort tauchten 1993 fünf bislang unbekannte Aufnahmen aus dem Nachlass eines Fotografen aus dem Schwarzwald auf, die den Abtransport von 31 jüdischen Menschen aus Kippenheim festhalten.
Als man dem in den USA lebenden Kurt Salomon Maier diese Aufnahmen zuschickte, war dieser zutiefst erschüttert:
„Als ich die Bilder sah, konnte ich es nicht glauben. Auf einem der Fotos waren meine Großeltern, mein Vater – und ich zu sehen, der kleine Junge mit Lodenmantel und Mütze. […] Ich hatte immer geglaubt, wir seien nachts geholt worden, bis ich diese Aufnahmen fast fünfzig Jahre später sah. Sie zeigen, dass es noch Tag war, als wir unser Haus zum letzten Mal verließen. Ich erinnere mich, dass unser Lastwagen am Kippenheimer Rathaus hielt, bevor wir zum Offenburger Bahnhof weiterfuhren.“
Die Ausstellung des Fördervereins Mahnmal e. V. versammelt erstmals alle bekannten Fotografien der Deportationen aus Bretten, Bruchsal, Gailingen, Kippenheim, Lörrach, Tauberbischofsheim und Weingarten. Die insgesamt 45 Aufnahmen widerlegen klar die Aussage Reinhard Heydrichs, die Abholung der Jüdinnen und Juden sei „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.
Diese visuellen Schlüsselquellen der Oktoberdeportation haben einen großen dokumentarischen Wert, zumal nur wenige sonstige Quellen existieren, mit deren Hilfe sich die Ereignisse in Baden am 22. und 23. Oktober 1940 rekonstruieren lassen.
Ausstellungseröffnung
Montag, 19. Oktober 2026, 15 Uhr
Schulungsbereich Bibliothek A4, Universität Konstanz
Die Ausstellung hängt bis einschließlich 13. November vor dem Bibliotheks-Café.
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag: 8–23 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag: 9–23 Uhr
Anfragen für Führungen von Schulklassen bitte an: in**@********************nz.de
20. Oktober 2026: „Wie wir Gurs überlebten – Zeitzeugen berichten“
Ein Film von Dietmar Schulz
Sie gehörten zu den wenigen Zeitzeuginnen, die über ihre Deportation durch die Nazis im Oktober 1940 und ihr Überleben im Lager Gurs in Südfrankreich berichteten: Margot und Hannelore Wicki-Schwarzschild, Amira Gezow und Hanna Meyer-Moses.
Die vier jüdischen Frauen beschreiben, wie sie als Jugendliche die katastrophalen Zustände im Lager Gurs überstanden und von mutigen Helfern vor dem Transport nach Auschwitz gerettet wurden.
Ihre Berichte werden erstmals filmisch aufgearbeitet in der 40-minütigen Dokumentation „Wie wir Gurs überlebten – Zeitzeugen berichten“. Der Film schildert zudem den Ablauf der Deportation von mehr als 6.500 jüdischen Bürgern aus Südwestdeutschland nach Gurs am Fuß der Pyrenäen.
Nach dem Film steht der Filmemacher Dietmar Schulz für ein Gespräch zur Verfügung.
Dienstag, 20. Oktober 2026
18:45 Uhr
Zebra-Kino
Joseph-Belli-Weg 5
78467 Konstanz
22. Oktober 2026: Gedenkweg anlässlich der Oktoberdeportation 1940
Konstanzer Schülerinnen und Schüler laden am Donnerstag, 22. Oktober, gemeinsam mit der Initiative Stolpersteine zu einem Gedenkweg in Erinnerung an die im Oktober 1940 aus Konstanz deportierten Jüdinnen und Juden ein.
Der Gedenkweg startet um 11:30 Uhr am Bodanplatz und führt über die Innenstadt zum Mahnmal am Petershauser Bahnhof. Dort endet die Veranstaltung nach einer kurzen Gedenkfeier gegen 13:00 Uhr.
Donnerstag, 22. Oktober 2026
Start: 11:30 Uhr
Bodanplatz, Konstanz
22. Oktober 2026: Mahnwache anlässlich der Oktoberdeportation 1940
Wir zünden für jedes der 112 Opfer eine Kerze an und lesen alle Namen vor. Zudem werden Namen und Fotos der deportierten Jüdinnen und Juden projiziert sowie ein biografischer Bericht verlesen.
Das Gedenken wird musikalisch begleitet von Alexander Hanßmann.
Donnerstag, 22. Oktober 2026
18:15 Uhr
Gedenkobelisk hinter der Dreifaltigkeitskirche
Ecke Bahnhofstraße / Sigismundstraße, Konstanz
Der Gedenkweg und die Mahnwache werden gemeinsam mit der Synagogengemeinde ausgerichtet.



